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Plastik Recycling: Abfall der Industrieländer flutet Asien

Plastik Recycling: Müll der Industrieländer flutet Asien
Die Europäische Union ist der weltweit größte Exporteur von Plastikabfällen.

Seit Anfang der 1950er Jahre wurden weltweit mehr als 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert. Nur wohin mit all dem Müll? Die Bedeutung von Plastik Recycling erkennen zwar immer mehr Länder an, allerdings wurden bisher nach Schätzungen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) lediglich etwa 9% der Plastikabfällle recycelt. 12% wurden verbrannt und der Großteil – fast 79% der jemals angefallenen Kunststoffabfälle – liegt auf Mülldeponien, Schuttplätzen oder in der Umwelt.

Kunststoffabfälle können zu verschiedenen Endprodukten recycelt werden. Wenn jedoch ein einziger Plastikbehälter aus über 20 verschiedenen Materialien besteht, wird das Recycling teuer und die Endprodukte schwer zu verkaufen. Der Direktor des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Ressourcenwirtschaft (BDE), Peter Kurth, erklärte in einem Interview mit der Deutschen Welle, dass der nicht recycelbare Kunststoff in der Regel an die Chemie- oder Zementindustrie als Ersatzbrennstoff geschickt wird.

Der unverkaufte Müll wird dann oft exportiert, weil es an Kapazität, Technologie oder finanziellen Ressourcen mangelt, um die Abfälle vor Ort zu behandeln. Heutzutage landet der Großteil des Plastikmülls in Südostasien.

Plastik Recycling: Ab in ferne Ländern zur Verwertung

Das Manko ist, dass ein Großteil der exportierten Kunststoffabfälle in den Ozean fließt. Das ist auf eine schwache Abfallwirtschaft in den Entwicklungsländern in Asien zurückzuführen, in die der westliche Müll transportiert wird.

Ein aktueller Bericht der Umweltorganisation Greenpeace hat die 21 führenden Exportländer/-regionen für Plastikabfälle zwischen Januar und November 2018 untersucht. Demnach führen die USA die Liste mit 16,5% der Gesamtexporte an, vor Japan (15,3%), Deutschland (15,6%), Großbritannien (9,4%) und Belgien (6,9%).

Die Top 5 Importeure von Plastikabfällen sind Malaysia mit 15,7% der Gesamtimporte, Thailand (8,1%), Vietnam (7,6%), Hongkong (6,8%) und die USA (6,1%).

Plastikmüll-Flut in Südostasien

China war einer der größten Importeur von Plastikabfällen. Der synthetische Produktionssektor in China verwendet Kunststoffreste als Rohstoff. Im Jahr 2012 erreichte der Import von Kunststoffabfällen laut Greenpeace einen Höchststand von neun Millionen Tonnen.

Seit 2018 akzeptiert China jedoch nur noch Kunststoffabfälle mit 99,5 Prozent reinen Komponenten. So sanken die Importe von Plastikabfällen in China in zwei Jahren drastisch – von über 600.000 Tonnen pro Monat im Jahr 2016 auf 30.000 Tonnen pro Monat seit Anfang 2018.

Verlagert hat sich der Export von Plastikabfällen nach Chinas neuer Regelung nach Südostasien. Malaysia, Thailand und Vietnam gehören zu den Top-Importeuren. Allein die Importe Malaysias stiegen von 20.000 Tonnen pro Monat Anfang 2017 auf 110.000 Tonnen pro Monat Anfang 2018. Ende letzten Jahres lagen die Plastikabfall-Importe bei 60.000 Tonnen pro Monat.

Plastikmüll zurück an den Absender

Der Zustrom von Kunststoffabfällen ist mittlerweile auch ein Thema, das die Behörden in Südostasien beunruhigt.

Im Mai kündigte die malaysische Regierung an, bis Ende 2019 insgesamt 3.000 Tonnen Abfall aus rund 50 Containern Müll in die Ursprungsländer zurückzuschicken. Zu den 14 identifizierten Herkunftsländern zählen die USA, Japan, Frankreich, Kanada, Australien und Großbritannien.

Etwa zur selben Zeit beauftragten die Philippinen eine private Reederei, 69 Container mit Müll nach Kanada zurückzuschicken. Falls das Land sich weigert, den Müll wieder anzunehmen, solle die Reederei ihn einfach in Kanadas Hoheitsgewässern lassen.

Auch Indonesien hat jüngst Müll zurück in seine Ursprungsländer geschickt. Mitte Juni gingen fünf Container zurück in die USA. Anfang Juli schickte das indonesische Zollamt 49 Container, die nachweislich Giftmüll und anderen Müll enthielten, zurück in ihre Herkunftsländer, darunter mehrere europäische Staaten.

Ein Meilenstein in Richtung Umweltschutz hat kürzlich die sogenannte Baseler Konvention erreicht.  Das internationale Umweltabkommen, das von 187 Ländern unterzeichnet wurde, hat Kunststoffabfälle in die Liste der gefährlichen Abfälle aufgenommen. Alle ASEAN-Länder sowie die EU und die USA sind Mitglieder des Abkommens.