Die Coronavirus-Pandemie ist “eine Krise wie keine andere”, sagt die Chefökonomin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Gita Gopinath. Volkswirtschaften weltweit leiden unter den Einschränkungen, um das Virus einzudämmen. Nach Angaben des IWF könnte sich der kumulierte Verlust für das globale Bruttoinlandsprodukt auf 9 Billionen USD belaufen – mehr als die Volkswirtschaften Deutschlands und Japans zusammen.

Für Japan, die zweitgrößte Volkswirtschaft Asiens, prognostiziert der IWF für dieses Jahr einen Rückgang der Wirtschaft um 5,2%. Im Jahr 2019 wuchs Japan moderat mit 0,7%.

Japan Wirtschaft: BIP konstante Preise

Japan Wirtschaft Überblick

Japan hat sich als eine der wirtschaftlich wichtigsten Nationen der Welt etabliert. Gemessen am nominalen BIP, ist die Japan Wirtschaft hinter den Vereinigten Staaten und China die drittgrößte der Welt. Dies stellt einen außergewöhnlichen Wandel in relativ kurzer Zeit dar, da fast die Hälfte der Bevölkerung des Landes zu Beginn des Pazifikkriegs 1937 ihren Lebensunterhalt durch die Landwirtschaft verdient hat.

Die Wirtschaft Japans wuchs in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts massiv und wird daher auch als “japanisches Wirtschaftswunder” bezeichnet. Japan profitierte von den Spannungen des Kalten Krieges zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten. Dabei führte die Hilfe und Unterstützung durch den US-Marshallplan in Verbindung mit dem wirtschaftlichen Interventionismus zu einer raschen Industrialisierung. Hersteller, Zulieferer, Händler und Banken arbeiteten eng in Gruppen zusammen, die als “keiretsu” bezeichnet wurden. In Folge dessen wurde Japan schnell zu einer bedeutenden Wirtschaftsmacht.

Dieser unaufhaltsame Aufstieg sollte in den 1990er Jahren zum Stillstand kommen, als die massive Vermögensblase in der Nation platzte. Sowohl die Immobilien- als auch die Aktienmarktpreise waren bis 1991 stark überhöht, und 1992 spitzte sich die Situation schließlich zu. Dieser Rückgang hatte massive Auswirkungen auf die moderne Geschichte des Landes. Es dauerte schließlich über 25 Jahre, bis die Grundstückspreise nach der Depression endlich wieder stiegen.

Die wirtschaftlichen Probleme des Landes haben die japanische Regierung in den letzten Jahrzehnten auch dazu veranlasst, hohe Schulden zu machen, was bedeutet, dass Japan die höchste Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP aller entwickelten Länder aufweist. Diese liegt derzeit bei etwa 235% im Verhältnis zum BIP, wobei die meisten Schulden im Besitz japanischer Staatsangehöriger sind.

Bevölkerung und Demographie

Japan hat 126,8 Mio. Einwohner und ist damit das zehntgrößte Land der Erde, knapp vor Mexiko. Japan befindet sich derzeit aufgrund sinkender Geburtenraten und minimaler Zuwanderung in einer demographischer Krise. Dies hat zu einer Überalterung der Bevölkerung geführt, zumal Japan mit 85 Jahren auch eine der höchsten Lebenserwartungen der Welt hat. Und auf der Grundlage der aktuellen Daten wird die Bevölkerung Japans voraussichtlich um eine Mio. Menschen pro Jahr zurückgehen. Dies wird weitgehend als ein potenziell überaus problematisches Szenario angesehen.

Japan - Bevölkerung

Die Arbeitslosigkeit in Japan ist ziemlich gering, die aktuelle Rate liegt bei nur 2,2%. Das ist ein viel niedrigeres Niveau der Arbeitslosigkeit als in den meisten vergleichbaren europäischen und nordamerikanischen Ländern. Wegen der Coronavirus-Pandemie wird für dieses Jahr ein Anstieg erwartet.

Japan Wirtschaft: Arbeitslosenquote

Währung und Zentralbank

Die japanische Währung ist der Yen, der sich dadurch auszeichnet, dass eine große Anzahl von Einheiten in andere Hauptwährungen umgetauscht werden kann. Der Yen ist auch dafür bekannt, dass er nach dem US-Dollar und dem Euro die dritthäufigste Währung auf dem Devisenmarkt ist und manchmal auch als Reservewährung verwendet wird.

Japans Zentralbank ist die Bank of Japan, die im Land auch als Nichigin bezeichnet wird. Die Bank wurde 1882 als Folge des Gesetzes über die Bank von Japan gegründet. Kurz darauf erhielt die Institution das Monopol auf die Kontrolle der japanischen Geldmenge. Später wurde die Bank nach dem Bank of Japan Act von 1942 umstrukturiert, während ihre Politik in den 1970er und 1980er Jahren darauf ausgerichtet war, Japan beim Übergang zu einer großen offenen Wirtschaft mit einem variablen Wechselkurs zu unterstützen.

Die Bank of Japan hat eine Geldpolitik umgesetzt, “die auf die Erreichung von Preisstabilität abzielt und damit zu einer gesunden Entwicklung der Volkswirtschaft beiträgt”. Als Folge davon verzeichnete Japan in den letzten Jahren eine sehr niedrige Inflationsrate, die im letzten Kalenderjahr bei 0,47% lag. Japan hat in den letzten Jahren sogar mehrere Perioden der Deflation verzeichnet.

Japan Wirtschaft: Inflation

Die Bank of Japan hält achtmal pro Jahr geldpolitische Sitzungen ab, wobei der geldpolitische Rat der Bank aus dem Gouverneur, den beiden stellvertretenden Gouverneuren und den sechs anderen Mitgliedern besteht.

Industrie und Handel

Obwohl Japans Wirtschaft deutlich weniger landwirtschaftlich geprägt ist als in der Vergangenheit, bleibt die Agrarwirtschaft im Land wichtig. Sie trägt 1,4 % zum nationalen BIP bei, aber 12 % der Fläche des Landes werden für die Landwirtschaft genutzt. Japan hat den höchsten Ernteertrag pro Flächeneinheit in der Welt und eine landwirtschaftliche Selbstversorgungsrate von etwa 50%.

Dazu hat die verarbeitende Industrie in Japan extrem an Bedeutung gewonnen, wobei das Land in der Technologie führend ist. In den letzten Jahren hat sich Japan auch in Bereichen wie der Biochemie rasant entwickelt. Zudem ist das Land als technologisches Kraftzentrum bekannt, das in vielen verschiedenen Bereichen mitspielt. Auch die japanische Automobilindustrie ist sehr erfolgreich, wobei japanische Unternehmen wie Toyota, Honda, Nissan, Suzuki, Mazda, Mitsubishi, Isuzu, Subaru, Kawasaki, Yamaha, Suzuki und Honda international bekannt sind. Aufgrund der COVID-19-Pandemie ist die Industrieproduktion jedoch rückläufig.

Auch der Tourismus spielt in Japan eine große Rolle. Durch den Ausbruch des Coronavirus wurde der Sektor natürlich stark in Mitleidenschaft gezogen. Auch die für den Sommer 2020 in Tokio geplanten Olympischen Spiele mussten verschoben werden.

In einem Bericht der Regierung im April hieß es, die Wirtschaft befinde sich “in einer ernsten Lage, die durch das neuartige Coronavirus extrem angeschlagen ist”. Der Begriff “erholen” wurde zum ersten Mal seit Juli 2013 nicht mehr verwendet.

Japan Wirtschaft – Handelszahlen

Im Jahr 2019 verschickte Japan Waren im Wert von 705,7 Mrd. USD rund um den Globus – ein Rückgang von 4,4% im Vergleich zu 2018. Die wichtigsten Exportziele Japans sind die asiatischen Länder (57,3%), Nordamerika (22,7%) und Europa (13,5%).

Die drei wichtigsten Exportgüter Japans sind Fahrzeuge (148,8 Mrd. USD), Maschinen einschließlich Computer (137 Mrd. USD) und elektrische Maschinen und Geräte (103,1 Mrd. USD). Die wichtigsten Importe Japans sind mineralische Brennstoffe einschließlich Öl (155,6 Mrd. USD), elektrische Maschinen und Geräte (98,8 Mrd. USD) und Maschinen einschließlich Computer (70,5 Mrd. USD). Zusammen machen diese drei Produktgruppen fast 45% der japanischen Importe aus. Die Importe beliefen sich 2019 auf insgesamt 720,9 Mrd. USD – ein Rückgang von 3,7% vergleichen mit 2018.

Damit hat Japan im Jahr 2019 ein Handelsdefizit von 14,95 Mrd. USD erreicht – es ist damit das zweite Jahr mit einer negativen Bilanz.

Studien und Ranglisten

Japan liegt im Ease of Doing Business Index der Weltbank auf Platz 29 und im Global Competitiveness Report auf einem sehr guten 6. Platz. Japans wirtschaftliche Freiheit bewertet die Heritage Foundation mit 72,1, womit die Japan Wirtschaft im Index 2019 auf Platz 30 steht.

Vergleich Japan, China, Korea: Global Ease of Doing Business Index

Im Vergleich zu China und Südkorea liegt Japan im Ease of Doing Business Index stabil an zweiter Stelle, während der Status Chinas im Laufe der Jahre gestiegen ist.

Börsen und Kapitalmärkte

Die bedeutendste Börse in Japan ist die Tokioter Börse, die gemessen an der Gesamtmarktkapitalisierung (5,67 Bio. USD) ihrer börsennotierten Unternehmen die drittgrößte der Welt ist. Die Tokioter Börse fusionierte 2013 mit der Osakaer Wertpapierbörse. Der führende und am meisten respektierte Index für japanische Aktien ist der Nikkei 225, der erstmals 1950 aufgetreten ist. Dieser Index stieg während der “Bubble-Jahre” Japans rasch an, bevor er zwischen 1992 und 2008 zu über 80% seines Wertes vernichtet wurde.

Zu den wichtigsten Unternehmen, die im Nikkei 225 gelistet sind, gehören Toyota Motor Corporation, Honda Motor Company, Mitsubishi Corporation, SoftBank Group, Sony Corporation und Nippon Telegraph and Telephone.

Die Kapitalmärkte in Japan wurden in den 1960er und frühen 1970er Jahren unter dem Druck ausländischer Regierungen rasch liberalisiert. Aber das Handelsumfeld in Japan wird weiterhin von einheimischen Unternehmen dominiert. Die Zahl der in Tokio notierten ausländischen Unternehmen nimmt ab, was den anhaltenden Status Japans als internationales Finanzzentrum in Frage stellt.

Anleihenmarkt

Der japanische Anleihenmarkt hat einen Wert von 9,3 Bio. USD. Über 40% davon befinden sich im Besitz der japanischen Regierung, nachdem der Staat eine aggressive Politik des Anleihenkaufs betrieben hat, um die niedrige jährliche Inflationsrate des Landes in Richtung des 2%-Ziels zu treiben. Die Zinssätze in Japan sind seit über 15 Jahren praktisch Null, und das Land hat derzeit einen negativen Zinssatz.

Die Renditen japanischer Anleihen sind im Vergleich zu vielen anderen Ländern notorisch niedrig. Für Ausländer bieten zweijährige japanische Staatsanleihen eine Rendite von rund 3%, wenn sie in Dollar getauscht werden.

Das Kreditrating von Standard & Poor’s für Japan liegt bei A+, wobei das Land einen positiven Ausblick hat. Das Kreditrating von Moody’s für Japan liegt bei A1, mit stabilem Ausblick. Das Kreditrating von Fitch für Japan wurde zuletzt mit A gemeldet, wiederum mit stabilem Ausblick.

Immobilienmarkt

Der Immobilienmarkt in Japan litt viele Jahre lang unter einer der größten Vermögensblasen der Geschichte, die dann 1992 platzte. Dies führte dazu, dass der Immobilienwert im Land seit Jahrzehnten stagnierte, während die Politik der japanischen Regierung, die auf einen umfangreichen Wohnungsbau setzt, auch dazu führte, dass das Angebot mit der Nachfrage Schritt hielt.

Dies hat dazu geführt, dass die Hauspreise zwar in den letzten Jahren des vergangenen Jahrzehnts moderat gestiegen sind, der Markt aber bereits 2010 wieder zu sinken begann, so dass die Preise derzeit stagnieren. Jüngsten Umfragen zufolge liegt der durchschnittliche Preis für ein neues Haus, das in Japan zum Verkauf steht, bei etwa 337.000 USD.