Start Investieren 20 Jahre nach der Asienkrise

20 Jahre nach der Asienkrise

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Asienkrise
Asien, Finanzkrise, Protest in Thailand

Die asiatische Finanzkrise 1997 jährt sich zum 20. Mal. Sie hat die Region nachhaltig verändert. Kann sich die Krise heute wiederholen? Im Juli 2017 jährt sich die Asienkrise zum 20. Mal. Oder genauer gesagt das Ereignis, das die Krise ausgelöst hat: die Abwertung des thailändischen Baht.

Während solche Jubiläen kein Anlass zum Feiern sind, bieten sie zumindest die Möglichkeit, zurückzuschauen und zu untersuchen, was sich geändert hat. Und was noch wichtig ist: was hat sich nichtverändert? Die alles entscheidende Frage ist: kann sich die asiatische Finanzkrise von 1997 heute wiederholen? Die Ursachen der Krise sind bis heute umstritten.

Steit um Auslöser der Asienkrise

Im Westen machte man hauptsächliche die mangelnde Transparenz der asiatischen Länder und die Verquickung von Unternehmen und Regierungen für die Krise verantwortlich. In Asien selbst beschuldigte man dagegen Hedgefonds als Verantwortliche für die Destabilisierung der regionalen Finanzmärkte. Beide Perspektiven haben Ihre Berechtigung.

Die Bank of Thailand hatte die Angaben zu ihren Devisenreserven stark geschönt. Es gab kaum Transparenz. Ausländische Spekulanten wetteten daraufhin aktiv gegen den thailändischen Baht. Die Short-Verkäufer schlossen jedoch nicht nur Hedgefonds ein. Auch Investmentbanken wetteten gegen die Währung. Darunter auch eine Bank, die gleichzeitig die thailändische Regierung beriet, wie sie ihre Währung verteidigen könnte.

IWF mit wenig Geschick in der Asienkrise

Bei der Bewältigung der Krise in den asiatischen Ländern zeigte auch der Internationale Währungsfonds (IWF) wenig Geschick. Zu strenge Fiskalpolitik habe die Krise noch verschlimmert, argumentieren Kritiker. Fundamental spiegelte die Krise das Missverhältnis zwischen dem historischen asiatischen Wachstumsmodell und den aktuellen Umständen wider. Dieses Modell beruhte auf stabilen Wechselkursen, die für den Ausbau der Exporte als notwendig erachtet wurden.

Zweistellige Wachstumsraten weckten Hoffnungen und zogen hohe Investitionen nach sich. Dies förderte die ausländische Kreditaufnahme, die nötig war, um diese Investitionen zu finanzieren. Bis 1997 hatten die südostasiatischen Volkswirtschaften eine Entwicklungsstufe erreicht, bei der die Brutto-Investition allein nicht mehr ausreichten, um hohe Wachstumsraten zu erzielen. Bei der Auslandsfinanzierung vernachlässigte das Wachstumsmodell die Risiken.

Dollarbindung als Hauptursache der asiatischen Finanzkrise

In der Folge verstärkte ausländischer Druck das Problem. So wurde Südkorea im Rahmen der Bewerbung um die Aufnahme in die OECD aufgefordert, Kapitalmarktkontrollen zurückzuführen. Erschwerend kamen Einflussnahme von IWF und US-Finanzministerium hinzu, die Druck auf asiatische Staaten ausübten, Kapitalflussbeschränkungen zu beseitigen. Dies öffnete die Pforten für spekulatives, heißes Geld. Das macht die Aufrechterhaltung der stabilen Wechselkurse noch problematischer.

Die Analyse der Krise zeigt auch, wieviel sich in den darauffolgenden 20 Jahren verändert hat. Zunächst kürzten die Krisenländer ihre Investitionsquoten und Wachstumserwartungen auf ein nachhaltiges Niveau. Die asiatischen Regierungen betonen immer noch das Wachstum, aber nicht mehr um jeden Preis. Zudem führten die südostasiatischen Länder flexiblere Wechselkurse ein. Diese sind zwar nicht vollkommen flexibel, aber die Regierungen der Region haben zumindest die starren Dollar-Bindungen aufgegeben, die 1997 eine der Quellen der Anfälligkeit waren.

Höhere Devisenreserven, regionale Entwicklungsfinanzierung

Heute erwirtschaften Länder wie Thailand, die große Defizite angehäuft hatten, sogar Überschüsse. Das reduziert die Abhängigkeit von ausländischen Investitionen. Vielmehr haben die Überschüsse geholfen, höhere Devisenreserven aufzubauen – eine Versicherung gegen Krisen. Überdies arbeiten asiatische Staaten heute verstärkt zusammen, um die Region zu stabilisieren.

Im Jahr 2000 haben mehrere Staaten die Chiang Mai Initiative gegründet, ein regionales Netzwerk von Finanzkrediten. Mit der Gründung der asiatischen Infrastruktur-Investitionsbank wurden auch Entwicklungsfinanzierungen regionalisiert. Diese Initiative ist auch eine Reaktion auf die unglückliche Erfahrung Asiens mit dem IWF. Die Entwicklung spiegelt jedoch auch die Entwicklung in China wider.

China, der Schlüssel für die nächste Asienkrise?

War China im Jahr 1997 noch gegen einen asiatischen Währungsfonds, so hat sich dies gewandelt. Heute ist China – gestützt auf das Selbstbewusstsein von 20 Jahren stabilen Wachstums – ein Treiber dieser Entwicklung. Der Blick auf Chinahttps://www.asiafundmanagers.com/investieren-in-china/ zeigt jedoch nicht nur, wie viel sich seit der Krise verändert hat. China gilt zugleich der Fokus zu weiteren, notwendigen Veränderungen, um die Region vor der Wiederholung einer Krise wie 1997 zu schützen.

China setzt nach wie vor auf ein Wirtschaftsmodell, das hohe Wachstumsziele in den Mittelpunkt stellt und zu dem Zweck hohe Investitionen eingeht. Die Regierung stimuliert Investitionen in einer Art, die gefährlich an die Aktivitäten Thailands vor der Krise erinnert. Durch die Lockerung der Beschränkungen der ausländischen Kreditaufnahme haben sich viele Unternehmen hoch verschuldet. Die noch immer nicht freien Devisenkurse halten chinesische Firme nicht von dieser Praxis ab.

China ist daher der Schlüssel für die nächste asiatische Wirtschaftskrise. Es bleibt zu hoffen, dass die Regierung aus den Ereignisse von 1997 die richtigen Schlüsse gezogen hat.

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Finanzjournalist, Investmentautor, Finanzblogger - schreibt über Investieren in Asien, Asienfonds und asiatische Wirtschaft.