Start Investieren Was spricht für China-Investments im Jahr 2022?

Was spricht für China-Investments im Jahr 2022?

Which factors speak for China investments in 2022?

Mit 8,1% verzeichnete die chinesische Wirtschaft im Jahr 2021 das schnellste Wachstum seit 2011. Allerdings gibt es Anzeichen dafür, dass das Tempo nachlässt. So verlangsamte sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im vierten Quartal 2021 auf 4%, nachdem es in den vergangenen drei Monaten um 4,9% gestiegen war. Es ist zudem das schwächste Wachstum seit mehr als anderthalb Jahren.

Ökonomen rechnen damit, dass die chinesische Wirtschaft im Jahr 2022 noch langsamer wächst. Ein Faktor dabei sind die neuen Lockdowns aufgrund der Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus. Die Weltbank hat ihre Prognose für 2022 im Dezember von 5,4% auf 5,1% gesenkt und auch die Asian Development Bank (ADB) hat ihre Wachstumsaussichten für China für dieses Jahr auf 5,3% revidiert.

Allerdings lag das BIP-Wachstum von 8,1% deutlich über den 6%, dem offiziellen Wachstumsziel der Regierung. Gestützt wurde das Wachstum in 2021 durch eine stetig ansteigende Industrieproduktion, die im Dezember sogar bei 9,6% lag. Im November waren es noch 3,8%. Auch diente der Export als wichtiger Wachstumstreiber. Nach offiziellen Angaben des Finanzdienstleisters Wind Information stieg Chinas Handelsüberschuss von 523,99 Mrd. USD im Jahr 2020 auf 676,43 Mrd. USD im Jahr 2021 und damit auf den höchsten Wert seit 1950.

Seit Dezember lautet Chinas wirtschaftliches Ziel nun „Stabilität“, und das spiegelt sich auch in den Maßnahmen wider. So hat die chinesische Zentralbank, die People’s Bank of China (PBOC), diese Woche ihre Leitzinsen gesenkt. Der Leitzins für Darlehen mit einjähriger Laufzeit wurde um 10 Basispunkte von 3,8% auf 3,7% gesenkt, der Leitzins für Darlehen mit fünfjähriger Laufzeit um 5 Basispunkte von 4,65% auf 4,6%.

Analysten vermuten, dass weitere Lockerungen bevorstehen könnten, um die Finanzierungskosten zu senken und so Konsum und Investitionen anzukurbeln. Daher könnte der Ausblick für 2022 für die chinesischen Märkte positiver ausfallen.

Die „mühsamen wirtschaftlichen Umstrukturierungen“ sind vorbei

Chinas Wachstumszyklus befindet sich im Wandel, da sich die Behörden von den „mühsamen wirtschaftlichen Umstrukturierungen“ abgewandt haben, erklärt Chi Lo, Senior Market Strategist für die APAC-Region bei BNP Paribas.

Er rechnet damit, dass die lokalen Regierungen im Jahr 2022 eine wachstumsfördernde Politik verfolgen werden, da dies als Priorität festgelegt wurde. „Die People’s Bank of China wird ihren Beitrag leisten, das Wachstum durch weitere geldpolitische Lockerungen zu sichern, insbesondere für die strategischen und grünen Entwicklungssektoren, die auf Pekings Prioritätenliste ganz oben stehen“, schrieb Lo in einem aktuellen Marktbericht.

Obwohl das Jahr 2021 im Zeichen zahlreicher regulatorischer Maßnahmen in China stand, unter anderem in den Bereichen Technologie, Gaming und Bildung, geht der Marktstratege davon aus, dass das Schlimmste der regulatorischen Verschärfungen überstanden ist.

„Der Kurswechsel wird in diesem Jahr voraussichtlich zu einem moderaten Aufschwung im chinesischen Wachstumszyklus führen. Strukturpolitische Maßnahmen wie das Streben nach größerem gemeinsamem Wohlstand und die Reduzierung von Kohlenstoffemissionen werden wahrscheinlich weitaus weniger aggressiv umgesetzt als in den Jahren 2020 und 2021“, fügte Lo hinzu.

Der Analyst von BNP Paribas erwartet jedoch, dass das nachlassende Exportwachstum und neue Mutationen des Coronavirus die größten kurzfristigen Hürden im Jahr 2022 darstellen werden. Das chinesische Exportwachstum könnte sich abschwächen, sollten sich Produktion und Verbrauch im Rest der Welt normalisieren. Auch sei unklar, inwieweit ein weiterer Ausbruch von Covid-19 in den Industrieländern den Verbrauch von Waren aus China ankurbeln würde, so der Analyst. „Diese Nachfrage mag inzwischen weitgehend gedeckt worden sein.“

China-Aktien: „Die Märkte haben sich stabilisiert“

2021 war zwar ein hartes Jahr für chinesische Aktien, allerdings hätten sich Volatilitätsspitzen als langfristige Kaufgelegenheiten erwiesen, meint Marcus Weyerer, Senior ETF Investment Strategist bei Franklin Templeton. Nach einem beeindruckenden Start, als chinesische Aktien in weniger als zwei Monaten um rund 20% zulegten und die Märkte weltweit um 14% übertrafen, änderte sich die Lage im November, als der chinesische Index um 11% fiel, während die globalen Aktien um fast ein Fünftel zulegten.1

Die Underperformance chinesischer Aktien im Jahr 2021 sei vor allem auf die weitreichenden regulatorischen Maßnahmen zurückzuführen, so der Investmentstratege.

„Diese Reformen und Sanktionen dienen durchaus einem Ziel, das sich langfristig positiv auf die Finanzmärkte auswirken kann.“, so Weyerer. „Wir sind der Ansicht, dass regulatorische Zyklen ein fester Bestandteil von Investitionen in Schwellenländern im Allgemeinen und in China im Besonderen sind.“

Dafür müsse man allerdings mit kurzfristiger Volatilität rechnen, wie im letzten Jahr zu beobachten war. „Zwar gibt es keine Anzeichen dafür, dass der aktuelle Zyklus zu Ende ist, doch haben sich die Märkte seit dem Spätsommer etwas stabilisiert“, so der Stratege von Franklin Templeton.

Für Investoren, die eine positive langfristige Sicht auf das Land haben und Schwankungen in Kauf nehmen wollen, dürften chinesische Aktien also durchaus interessant sein.

China ist in den Portfolios vieler Investoren noch unterrepräsentiert. „Die verstärkte Aufnahme von A-Aktien (Festlandchina) in wichtige Indizes seit 2019 hat die Situation verbessert. Dennoch verharrt das China-Engagement in globalen Benchmarks im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich. Auch wenn Fragen rund um den Zugang und die Risikobereitschaft Gründe für diese Unterrepräsentation darstellen, sollten langfristige Anleger Rückschläge als Gelegenheit zum Ausbau ihrer Positionen betrachten“, erklärte Weyerer.

China Onshore Bonds: „Renditen im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich“

Auch China Bonds sind noch immer weitgehend am internationalen Anleihenmarkt unterrepräsentiert. Dennoch bieten China-Anleihen attraktive Chancen im Jahr 2022, so Manulife Investment Management.

China Bonds (basierend auf dem Bloomberg Global Aggregate China TR Bond Index) haben sich gegenüber anderen wichtigen Anleihenkategorien besser entwickelt und im Jahresverlauf um 6,99% zugelegt (Stand 30. November 2021, in USD). Laut Manulife lässt sich die starke absolute und relative Performance chinesischer Anleihen im Jahr 2021 darauf zurückführen, dass die chinesische Regierung eine straffere Geld- und Fiskalpolitik verfolgt.

„Dies hat dazu beigetragen, dass chinesische Staatsanleihen im Vergleich zu anderen globalen Staatsanleihen ein attraktives Renditeniveau beibehalten haben“, heißt es in einer aktuellen Marktanalyse.

Die Manulife-Analysten sind der Ansicht, dass chinesische Anleihen auch in Zukunft von mehreren wichtigen Faktoren profitieren dürften, nämlich von der Forderung nach einer erneuten Lockerung der Geldpolitik, einer nachhaltig starken Währung und den Diversifizierungsvorteilen für globale Investoren.

„Wir gehen davon aus, dass chinesische Onshore-Anleihen Investoren Renditen im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich bieten werden und dass die PBOC moderate Lockerungsmaßnahmen ergreifen wird“, sagte Paula Chan, Senior Portfoliomanagerin für Fixed Income.

Darüber hinaus könnte der starke CNY bis Anfang 2022 andauern, da China einen erhöhten Handelsüberschuss aufweist und ausländische Investoren weiterhin viel in Onshore-Anleihen investieren. „Der starke CNY sollte auch dazu beitragen, ein Zeitfenster für die PBOC zu schaffen, um die Geldpolitik zu lockern, selbst wenn die Fed eine allmähliche Normalisierung der Zinssätze in die Wege leitet“, so Chan.

Mit Blick auf den Immobiliensektor, der von der Evergrande-Krise im Jahr 2021 erschüttert wurde, erwartet Chan nicht, dass die Regierung eine harte makroökonomische Landung auslösen wird, während sie den Sektor weiter reformiert. „Wir glauben, dass die Regierung über genügend Instrumente verfügt, um diesen Sektor anzukurbeln und dafür zu sorgen, dass das Nicht-Immobiliensegment intakt bleibt, z.B. durch Steuersenkungen für KMUs, Kreditfazilitäten der PBOC und der Emission von Sonderanleihen auf kommunaler Ebene.“

 

1 Die Daten beziehen sich auf FTSE-Indizes