Start Anlagestrategie China Anleihen: ein neuer Markt öffnet sich

China Anleihen: ein neuer Markt öffnet sich

Mit Chinafonds können Anleger in China Onshore Anleihen investieren

Der chinesische Anleihenmarkt öffnet sich für internationale Investoren. Wir sprachen mit dem China Rentenfonds Manager Peter Ru von der US-amerikanischen Fondsgesellschaft Neuberger Berman über unter unterschiedliche Bewertungen durch Ratingagenturen und die Zukunft des chinesischen Anleihenmarktes.

Managt China Anleihen für Neuberger Berman: Fondsmanager Peter Ru
Managt China Anleihen für Neuberger Berman: Fondsmanager Peter Ru

AsiaFundManagers.com: Der chinesische Anleihenmarkt mit Papieren in Lokalwährung öffnet sich. Was ist für Anleger daran so interessant?

Peter Ru: Immer mehr Investoren beginnen, China Onshore-Bonds als neue strategische Anlageklasse zu verstehen. Sie weist eine geringe Korrelation mit anderen Anlageklassen auf, darunter US-Aktien, globale Aktien, Emerging Markets Anleihen oder US-Anleihen mit Investment Grade oder High Yield, um nur einige zu nennen. China Onshore-Bonds im Portfolio bringen also eine Reihe von Vorteilen. Zudem ist die Chinesische Volksbank bestrebt, den Renminbi gegenüber anderen wichtigen Währungen stabil zu halten. Der Zufluss in den chinesischen Onshore-Markt war daher in den vergangenen zwölf Monaten sehr stark. Das betrifft Aktien und Anleihen.  

AFM: Was spricht für Investments im chinesischen Onshore-Bond-Markt?

Peter Ru: Der Onshore-Bond-Markt ist liquide und bietet attraktive Renditen angesichts des aktuellen Realzinses und vergleichbarer Staatsanleihen. Zudem weißt diese Anlageklasse stabile Wechselkurse auf. Der Onshore-Kreditmarkt bietet relativ höhere Renditen bei deutlich geringerer Zinssensitivität und niedrigeren Ausfallraten.

Unterschiedliche Ratings für China Anleihen

AFM: Wie unterscheiden sich Onshore- und Offshore-Bond-Märkte in China?

Peter Ru: Der Offshore-Bond-Markt ist nur etwa ein Zehntel so groß wie der Onshore-Markt. Dabei ist letzterer viel liquider als der Offshore-Markt und verfügt über eine deutlich breitere Investorenbasis.

AFM: Der Kurs des Renminbi ist künstlich niedrig gehalten. Wie gehen Sie mit Anpassungsrisiken um?

Peter Ru: Die chinesische Zentralbank hat sich zur Aufgabe gemacht, den Renminbi zu einer stabilen Währung gegenüber einer Fülle anderer wichtiger Währungen zu machen. Ziel ist es, den Renminbi zu einer allgemein akzeptierten Reservewährung aufzuwerten. Und es gibt viele Möglichkeiten wie Devisentermingeschäfte und Swaps, um das Devisenrisiko zu managen.

AFM: Onshore-Anleihen werden von lokalen Ratingagenturen mit anderen Maßstäben bewertet. Wie machen Sie Risiken vergleichbar?

Peter Ru: Lokale Ratings sind im Durchschnitt sechs oder sieben Stufen höher als die internationalen Ratings. Der größte Unterschied ergibt sich aus der Tatsache, dass mit AAA-Rating versehene Onshore-Staatsanleihen internationale nur A+ als höchstes Rating erhalten. Es besteht die Tendenz, Onshore-Bonds sicherer zu erachten als die Offshore-Anleihe. Daher sollte die Onshore-Anleihe selbst für denselben Emittenten ein höheres Rating aufweisen als die Offshore-Anleihe.

Anleihenvolumen und Fremdkapital entscheidend

AFM: Wie schneiden Onshore-Anleihen bei der Bonität im Vergleich zu Offshore-Anleihen ab?

Peter Ru: Moody’s und zwei weitere Ratingagenturen werden dieses Jahr damit beginnen, lokale Ratings für die Anleihen zu veröffentlichen. Allerdings stellen Sie keine Verbindung zwischen dem lokalen Rating und dem internationalen Rating her. Die Chinesische Volksbank hat ein Arbeitspapier zum Bonitätsvergleich zwischen dem nationalen und internationalen Ratingstandard veröffentlicht. Dabei wird auf die großen Unterschiede zwischen nationalen und internationalen Rating-Systemen hingewiesen.

AFM: Woraus resultieren diese Unterschiede?

Peter Ru: Die Chinesische Volksbank hat festgestellt, dass größere Anleihen und ein höherer Fremdkapitalanteil tendenziell dazu führen, dass Unternehmen bessere inländische Ratings erhalten als die angepassten globale Ratings. Eine höhere Rentabilität oder ein größerer Staatsanteil führen eher dazu, dass Unternehmen höhere angepasste globale Ratings erhalten als inländische Ratings. Dies liegt daran, dass die Größe von inländischen Agenturen stärker als positiver Faktor und der Verschuldungsgrad von globalen Agenturen stärker als negativer Faktor gewichtet wird. Profitabilität und höhere Staatsbeteiligung werden von globalen Ratingagenturen positiver bewertet.

Steigende Volumina in China Anleihen

AFM: Wie gehen Sie mit den unterschiedlichen Bewertungen um?

Peter Ru: Im Durchschnitt ist ein inländisches Rating von AA- im internationalen Rating als spekulatives Rating zu betrachten. Das inländische Rating wird um ca. 7 Stufen nach unten verschoben, um es mit dem internationalen Rating zu vergleichen. Unterschiedlichen Gewichtungen von Anleihengröße, Verschuldungsgrad, Rentabilität und Eigentumsverhältnisse werden nationales und internationales Rating um weitere 1-2 Stufen nach unten angepasst. 

AFM: Welche langfristigen Perspektiven ergeben sich für Investoren?

Peter Ru: Einhergehend mit dem leichteren Marktzugang zu chinesischen Onshore Anleihen, werden sich internationale Investoren sehr schnell an diese junge Anlageklasse gewöhnen. Wir sehen angesichts der Vorteile von nationalen Anleihen daher in der Zukunft deutlich steigende Volumina. 

AFM: Peter Ru, herzlichen Dank für das Gespräch.

Zur Person:

Managt China Anleihen für Neuberger Berman: Fondsmanager Peter Ru
Managt China Anleihen für Neuberger Berman: Fondsmanager Peter Ru

Dr. Peter Ru ist Managing Director und seit 2017 bei Neuberger Berman aktiv. Er ist Senior Portfolio Manager im Emerging Markets Debt Team mit Sitz in Shanghai. Dort verantwortet Peter Ru als China Fondsmanager die chinesischen Onshore-Anleihen-Investments und managt Renminbi-Strategien für nationale und internationale Kunden. Peter Ru verfügt über umfangreiche Erfahrung am chinesischen Kapitalmarkt.