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Im Land der aufgehenden Nachhaltigkeit

Japans ESG Pläne
Japan ergreift Maßnahmen, um die ESG-Integration voranzutreiben.

Investoren weltweit konzentrieren sich bei ihren Investment-Entscheidungen zunehmend auf den Bereich Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung (Environmental, Social Governance, ESG). Der globale Markt für ESG-Investments wächst rasant – wobei Japan den Rest der Welt in Bezug auf das Wachstum überholt. Während es im Land eine Weile gedauert hat, bis verantwortungsbewusstes Investieren in Gang kam, hat die japanische Regierung verschiedene neue Richtlinien und Strategien eingeführt, um die ESG-Integration zu fördern.

Und das Potenzial ist riesig. Während japanische ESG-Investitionen nur etwa 8% des Weltmarktes ausmachen, verzeichneten sie nach Angaben des japanischen Umweltministeriums einen 5,8-fachen Anstieg von 0,5 Bio. USD im Jahr 2016 auf 2,9 Bio. USD im Jahr 2020. Der globale Markt für ESG-konforme Investments wuchs von 22,9 Bio. USD im Jahr 2016 auf 35,3 Bio. USD im Jahr 2020, was einem 1,5-fachen Anstieg entspricht.

Japans Pro-ESG-Politik

Die japanische Regierung und die Aufsichtsbehörden haben darauf hingearbeitet, einen der Nischenmärkte für Green Finance und verantwortungsvolles Investieren in Asien zu schaffen.

Die Financial Services Agency (FSA) hat kürzlich Maßnahmen ergriffen, um börsennotierte japanische Unternehmen, die behaupten, umweltfreundlich zu sein, zu überwachen. Um Investoren mehr Klarheit über Einblicke in börsennotierte Unternehmen zu geben, hat die FSA daher eine Klimaregulierung vorgestellt, die japanische Unternehmen dazu anhaltend könnte, verpflichtende Angaben zu Klimarisiken zu machen. Diese könnte frühestens am 31. März 2022 in Kraft treten.

Darüber hinaus plant die japanische Finanzaufsichtsbehörde, die als ESG- oder nachhaltigkeitsorientiert vermarktet werden, um Investoren vor Greenwashing zu schützen.

Beim jüngsten COP26-Klimagipfel hat Premierminister Kishida das Ziel des Landes bekräftigt, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen und bis 2030 die Treibhausgasemissionen um 46% zu senken. Das ultimative Entkarbonisierungsziel des Landes hat zu einer Vielzahl von Ankündigungen zu neuen ESG-Richtlinien sowie zur Überarbeitung alter Ziele geführt.

Die Bank of Japan (BoJ) bestätigte im Oktober Pläne, bald mit dem Ankauf von Green Bonds unter Verwendung ihrer Devisenreserven zu beginnen, und schloss sich damit einem Trend globaler Investoren zur Bekämpfung des Klimawandels an. Damit wurde Japan die erste G-7-Nation, die ESG als Faktor für alle Investments in neue ausländische Vermögenswerte zugrunde legt.

Auch plant die BoJ eine Analyse der Klimaszenarien zu erarbeiten, um den Übergang der größten japanischen Banken in eine grüne Zukunft voranzutreiben und ihnen die Veröffentlichung klimabezogener Finanzangaben aufzuerlegen.

Darüber hinaus folgte die Zentralbank Mitte Juli anderen großen Notenbanken und stellte eine neue Strategie vor, um japanischen Finanzinstituten einjährige zinslose Kredite anzubieten, die über grüne Kredite und Anleihen sowie nachhaltigkeitsgebundene Kredite und Anleihen Mittel für Projekte zur Energiewende bereitstellen. Das Programm wird voraussichtlich bis mindestens März 2031 gelten.

Fitch Ratings analysierte, dass die jüngsten Maßnahmen dem Land einen dringend benötigten Schub bei seinen Bemühungen zur Erreichung seiner Klimaziele geben werden.

Überarbeiteter Corporate Governance Kodex

Um die Offenlegungen zu Klimarisiken und Diversität zu verbessern, wurde der japanische Corporate Governance Codex (CGC) im Juni 2021 überarbeitet. Dies war die zweite Revision. Der erste CGC wurde im Jahr 2015 erlassen und stellte die Grundprinzipien der Corporate Governance vor, wobei er sich auf den Erhalt der globalen Wettbewerbsfähigkeit japanischer Unternehmen konzentrierte. Später wurde der Kodex erstmals 2018 überarbeitet und um ‚Richtlinien für die Einbeziehung von Investoren und Unternehmen‘ ergänzt.

Neben der Aufnahme neuer Governance-Grundsätze für börsennotierte Unternehmen umfassten die Überarbeitungen von 2021 weitere Aspekte wie die Stärkung der Unabhängigkeit des Aufsichtsrats, die Förderung der Vielfalt, die Darstellung von Initiativen zur Nachhaltigkeit des Unternehmens sowie die Verbesserung der klimabezogenen Offenlegungen.

Moody’s Investors Service zufolge werden die Revisionen die Quantität und Qualität der klimabezogenen Veröffentlichungen erhöhen und die Datenverfügbarkeit von ESG-Initiativen verbessern.

Laut Kei Okamura, Director of Japan Investment Stewardship bei Neuberger Berman, beschleunigt sich das Tempo des Wandels in Japan. Nach Ansicht des Analysten zielen diese neuen Maßnahmen der Regierung darauf ab, die Rolle einer soliden Unternehmensführung und Kapitaleffizienz bei der Steigerung des Shareholder-Value zu stärken und ihren Anwendungsbereich auf Themen wie Vielfalt und Klimawandel auszuweiten.

„Diese potenziellen Veränderungen könnten dazu beitragen, Unternehmen zu einer guten Corporate Governance als Teil einer langfristigen Strategie zur Steigerung des Unternehmenswerts zu bewegen.“

Japanische Unternehmen und ESG-Offenlegungen

Die ESG-Maßnahmen der Regierung spiegeln sich im zunehmenden Engagement der Unternehmen für eine nachhaltige Berichterstattung wider. Laut der ‚KPMG Survey of Sustainability Reporting‘ wird die integrierte Berichterstattung derzeit in Japan mehrheitlich praktiziert und verzeichnet dort seit 2017 steigende Verbreitung.

Die im Dezember 2020 durchgeführte Studie ergab, dass japanische Unternehmen die höchste Rate an Nachhaltigkeitsoffenlegungen in der Region Asien-Pazifik aufweisen: so veröffentlichen 100% der 100 umsatzstärksten japanischen Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht. Darüber hinaus beziehen 96% dieser Unternehmen Nachhaltigkeitsinformationen in ihre Jahresberichte ein.

Kazuhiko Saito, Partner bei KMPG, sagte: „In Japan ist es seit langem üblich, dass Unternehmen ab einer bestimmten Größe über Nachhaltigkeit berichten sollten. Dieses Verständnis weitet sich nun zunehmend auf die integrierte Berichterstattung aus.“

Er fügte hinzu, dass japanische Unternehmen „bestrebt sind, die Nachhaltigkeitstrends zu übernehmen, die sich anderswo auf der Welt entwickeln.“

Im weltweiten Vergleich hinkt Japans ESG-Marktintegration jedoch noch hinterher. Laut einer Umfrage von Willis Towers Watson setzen nur 15% der 100 größten japanischen Unternehmen nach Marktkapitalisierung ESG-Metriken in Executive-Incentive-Plänen ein. Das sind weniger als 5% der 2.000 Unternehmen, die im ersten Abschnitt der Tokioter Börse aufgeführt sind.

Dies steht im Vergleich zu 52% der S&P-500-Unternehmen und 63% der Unternehmen der wichtigsten Indizes in Europa. Zudem sind Initiativen, die ESG-Metriken mit langfristigen Anreizplänen verknüpfen, in Japan weitaus seltener (15% in europäischen Indizes und 3% in S&P-500-Unternehmen).