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Was das RCEP-Abkommen für die Zukunft Asiens bedeutet

Was das RCEP-Abkommen für die Zukunft Asiens bedeutet

Nach 8 Jahren und fast unzähligen Verhandlungsrunden ist die Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) besiegelte Sache und markiert einen Meilenstein: Die 15 Nationen repräsentieren zusammen etwa 30 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts (BIP) und machen die Region damit zum bisher größten Handelsblock der Welt.

Die am 15. November virtuell unterzeichnete Wirtschaftspartnerschaft wird nach Schätzungen des Peterson Institute for International Economics voraussichtlich rund 200 Mrd. USD in die Weltwirtschaft und 0,2% pro Jahr in das BIP der teilnehmenden Länder spülen.

Das Abkommen besteht zwischen Australien, Brunei, Kambodscha, China, Indonesien, Japan, Laos, Malaysia, Myanmar, Neuseeland, den Philippinen, Singapur, Südkorea, Thailand und Vietnam. Im Wesentlichen wird RCEP die Zölle auf verschiedene Waren, die zwischen diesen asiatisch-pazifischen Ländern ausgetauscht werden, senken und beseitigen, Platz für den Handel mit Dienstleistungen schaffen und Investitionen ankurbeln.

Das Abkommen besteht aus 20 Kapiteln, die Bereiche wie geistiges Eigentum, Finanzdienstleistungen, E-Commerce und öffentliches Beschaffungswesen abdecken.

“RCEP ist ein Symbol für den Zusammenschluss asiatischer Nationen, um ihren rechtmäßigen Platz im globalen Handelssystems der Zukunft einzunehmen”, sagt Stuart Tait, Regional Head of Commercial Banking, Asia-Pacific, HSBC. “Ein System, für dessen Aufbau und Aufrechterhaltung sie so viel tun und das ihre wachsende Wirtschaftskraft auch weiterhin bestimmen wird.”

Wie das RCEP-Abkommen den asiatischen Handel prägen wird

Die am RCEP beteiligten Länder glauben, dass das Abkommen ihnen helfen wird, sich von den desaströsen wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie zu erholen. Im Gegensatz zu China, Vietnam und Südkorea erholen sich viele asiatische Volkswirtschaften nur langsam oder kaum und hatten im Juli-September-Quartal dieses Jahres noch immer mit wirtschaftlichem Abschwung zu kämpfen.

Im Jahr 2018 schätzte der Internationale Währungsfonds, dass durch den Abbau von Handelsbarrieren innerhalb Asiens das BIP in der Region um 15 Prozent steigen könnte. Das globale BIP könnte bis 2025 um 10 Bio USD steigen, wenn sich die Welt die Prinzipien des offenen und freien Handels zu eigen machen würde, so eine Studie von HSBC und der Boston Consulting Group. “Selbst wenn RCEP nur einige wenige Prozentpunkte davon erwirtschaftet, wird es dazu beitragen, Asien wieder auf den Wachstumspfad vor der Covid-Krise zu bringen”, so Tait.

Fitch Solutions ist davon überzeugt, dass die positiven Auswirkungen des Handelspakts langfristig einen verbesserten Marktzugang und eine größere Vielfalt an Waren und Dienstleistungen für die Teilnehmer mit sich bringen wird.

“Noch wichtiger ist jedoch, dass RCEP die Regeln und Verfahren im Rahmen bereits bestehender Freihandelsabkommen einzelner Länder vereinfachen wird, was die Handelseffizienz verbessern dürfte”, fügte Fitch Solutions hinzu.

Vielfältige Möglichkeiten für RCEP-Partner

Mit dem RCEP-Abkommen stärkt China seinen Exportmarkt. Statistiken zeigen, dass das Handelsvolumen Chinas mit RCEP-Mitgliedern von Januar bis September 2020 etwa ein Drittel des gesamten Außenhandelsvolumens des Landes ausmachte.

Darüber hinaus unterstützt das Abkommen die “Dual-Circulation”-Strategie von Präsident Xi Jinping, die darauf abzielt, die einheimische und internationale Wirtschaft zu fördern.

Die Teilnahme Australiens am größten Handelsabkommen der Welt ermöglicht es seinen Unternehmen, ohne die Komplexität von Regulierung und Papierkram in Übersee zu expandieren. Laut dem Sydney Morning Herald kann Australien neue Märkte für Universitäten, Finanzdienstleister, Pensionsfirmen, Gesundheits- und Altenpflege-Unternehmen aufbauen. Einige Analysten sind auch der Meinung, dass RCEP Australien und China bei der Beilegung ihrer Handelsstreitigkeiten helfen kann.

Auch die angespannten Beziehungen zwischen Südkorea und Japan könnten sich entspannen. Mit dem RCEP sind beide Länder an ihr erstes Freihandelsabkommen überhaupt gebunden. Die jüngsten Spannungen spitzten sich 2018 zu, als Japan Südkorea von seiner “weißen Liste” der Handelspartner strich und Exportbeschränkungen für Komponenten für die Halbleiterindustrie einführt. Die südkoreanische Öffentlichkeit wiederum boykottierte darauf japanische Waren, was einige Sektoren hart traf. Im Rahmen des RCEP-Abkommens werden beide Länder die Zölle auf 83 Prozent der Exportartikel zwischen ihnen beseitigen.

Darüber hinaus hoffen insbesondere die kleineren Märkte von RCEP zu profitieren. Seang Thay, Staatssekretär im kambodschanischen Handelsministerium und Sprecher, sagte, dass RCEP die Handelsliberalisierung in der Region fördern, den Marktzugang verbessern und die Beziehungen in Wirtschaft, Handel und Investitionen stärken wird.

Beschäftigung und mehr Marktchancen sind die beiden Dinge, die die Philippinen im Rahmen des neu unterzeichneten Paktes im Auge haben. Der philippinische Handelsminister Ramon Lopez sagte, dass sich die Marktchancen für lokale Exporteure und Dienstleistungsanbieter vervielfachen werden. Er hofft, dass das Abkommen dazu beitragen kann, das Land zu einem Produktions- und Investitionszentrum in der Region zu machen.

Für Vietnam, das sich zu einem Produktionszentrum entwickelt, sind der Abbau von Handelsbarrieren und ein verbesserter Marktzugang Schlüsselvorteile. Jason Yek, Risk Analyst für Asien bei Fitch Solutions, sagte gegenüber VnExpress International, dass Telekommunikation, Informations- und Kommunikationstechnologie, Textilien, Schuhe, Landwirtschaft und Automobile die Sektoren sein könnten, die am meisten profitieren werden.

Indien beschloss im vergangenen Jahr, aus RCEP auszusteigen, da es befürchtete, dass das Abkommen lokale Hersteller schwächen könnte. Die Staats- und Regierungschefs der teilnehmenden Länder sind jedoch nach wie vor offen für einen Beitritt Indiens zum Pakt.

Geopolitische Bedeutung des RCEP-Abkommens

Für Chinas Premierminister Li Keqiang ist RCEP ein Meilenstein und “Sieg des Multilateralismus und des Freihandels”. Es ist ein bedeutender Erfolg für China, das seit Jahren mit den USA über Handelsfragen im Clinch liegt. Experten glauben, dass RCEP den amerikanischen Einfluss auf die Region schwächen wird.

“Die USA haben jetzt noch weniger Druckmittel, um China dazu zu drängen, seine Handels- und Wirtschaftspraktiken zu ändern, um sie stärker mit den US-Normen für Arbeit, Umwelt, Schutz der Rechte an geistigem Eigentum und anderen Fragen des Freihandels in Einklang zu bringen”, sagte Eswar Prasad, Professor für Wirtschaft und Handelspolitik an der Cornell University, New York.

Andere Analysten schätzen, dass RCEP die USA unter der Führung des designierten Präsidenten Joe Biden veranlassen könnte, ihre Beziehungen zu China wieder aufzunehmen. Es wird auch erwartet, dass die USA mehr strategische Anstrengungen unternehmen werden, um ihre Präsenz in der vielversprechendsten Wirtschaftsregion der Welt aufrechtzuerhalten.

In Nordostasien könnten weitere Abkommen auf den Weg gebracht werden, wie z.B. das trilaterale Freihandelsabkommen zwischen China, Südkorea und Japan, das seit vielen Jahren festgefahren ist. Darüber hinaus hat China signalisiert, die Verhandlungen über ein China-EU-Investitionsabkommen zu beschleunigen.