Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird sich das Wachstum der Vietnam Wirtschaft auf 2,7% im Jahr 2020 verlangsamen. Nichtsdestotrotz verfügt Vietnam über relativ starke makroökonomische Fundamentaldaten und es wird erwartet, dass sich das Land schnell erholt. Tatsächlich geht aus einer Studie von Price Waterhouse Coopers hervor, dass die Vietnamesische Wirtschaft zu den am schnellsten wachsenden der Welt gehört und bis 2050 in die Top 20 der Welt aufsteigen könnte.

Vietnam Wirtschaft Überblick

Vietnam ist ein Land mit einer schrecklichen jüngeren Geschichte, das sich jedoch stetig von dem berüchtigten Vietnamkrieg erholt. Mit einer Bevölkerung von mehr als 95 Millionen Menschen ist Vietnam das 15. bevölkerungsreichste Land der Welt. Das in Ostasien gelegene Vietnam hat starke Beziehungen zu Nachbarn wie China und Thailand aufgebaut. Die Hauptstadt ist Hanoi, aber die bevölkerungsreichste Stadt ist Ho-Chi-Minh-Stadt, das ehemalige Saigon.

Vietnam Wirtschaft: Bevölkerung

Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern in der Region ist Vietnam ein sehr sozialistischer Staat, der sich jedoch nach wie vor einer Marktwirtschaft rühmt. Die Vietnam Wirtschaft ist gemessen am Bruttoinlandsprodukt die 44. und gemessen an der Kaufkraftparität als die 32. größte der Welt eingestuft. Vietnam ist Mitglied der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftlichen Zusammenarbeit, des Verbands Südostasiatischer Nationen und der Welthandelsorganisation.

Nach einer Reformperiode hat sich Vietnam von seiner ehemals zentralisierten Natur zu einer gemischten Wirtschaft gewandelt, die sowohl direkte als auch indikative Planung anwendet. Dies hat zu einem raschen Wirtschaftswachstum geführt.

Das BIP Vietnams beläuft sich auf 255 Mio. USD, und das Land hat in den letzten Jahren ein BIP-Wachstum von 6,5% erreicht. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie ist auch das Vietnam Wachstum betroffen. Der IWF geht davon aus, dass sich das Wachstum des Landes in diesem Jahr auf 2,7% verlangsamen wird, erwartet aber für 2021 eine Erholung auf 7%.

Vietnam Wirtschaft: BIP konstante Preise

Das Pro-Kopf-BIP in Vietnam beläuft sich auf 2.567 Dollar, während der Staat auch eine niedrige Arbeitslosigkeit aufweist. In den letzten 10 Jahren ist die Arbeitslosigkeit in Vietnam nie über 3% gestiegen und liegt derzeit bei 2,16%.

Vietnam Wirtschaft – Aufstieg nach dem Vietnamkrieg

Der Vietnamkrieg lag viele Jahre lang wie ein Schatten über diesem Land. Aber seit den 1980er Jahren ist es mit einer starken, selbstbewussten und flexiblen Facharbeiterpopulation erstarkt. Vietnam ist auch ein faszinierend vielfältiges Land, in dem die Regierung 54 verschiedene ethnische Gruppen innerhalb des Landes anerkennt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Nationen gibt es kaum Anzeichen dafür, dass Vietnam mit einer alternden Bevölkerung zu kämpfen hat. Dies ist ein gutes Vorzeichen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

Währung und Zentralbank

Vietnam verwendet den đồng, der kurz nach dem Zweiten Weltkrieg als eigene Währung eingeführt wurde. Die wechselvolle jüngere Geschichte Vietnams hat dazu geführt, dass der đồng nie eine besonders wertvolle Währung war, und so wie er heute ist, entspricht ein US-Dollar 23.250 Einheiten der Vietnam Währung.

Die Inflation ist in Vietnam nicht außer Kontrolle geraten, aber ebenso wenig kann sie als niedrig bezeichnet werden. Die jährliche Inflationsrate in Vietnam bewegt sich um die 5%. Die Regierung hat sich für dieses Jahr ein Ziel von unter 4% gesetzt – und hält daran auch trotz wochenlangen Coronavirus-Lockdowns fest.

Vietnam Wirtschaft: Inflation durchschnittliche Verbraucherpreise

Sparer werden in Vietnam reichlich belohnt, da das Land seit vielen Jahren von hohen Zinsen profitiert. Gegenwärtig liegt der Zinssatz in Vietnam bei etwa 7,5%, wobei allerdings abzuwarten bleibt, ob sich das grassierende Coronavirus auf diese Zahl auswirken wird.

Die State Bank of Vietnam ist die Zentralbank von Vietnam. Sie ist auch zu 65% Anteilseigner der VietinBank – der nach Kapital größten börsennotierten Bank des Landes. Die State Bank of Vietnam ist ein Gremium auf Ministerialebene unter der Verwaltung der Regierung, wobei der Gouverneur der Bank Mitglied des Kabinetts ist.

Die Staatsbank von Vietnam definiert ihre Hauptaufgaben als die Förderung der Währungsstabilität und die Formulierung der Geldpolitik, die Förderung der Stabilität der Institutionen und die Überwachung der Finanzinstitute, die Bereitstellung von Bankfazilitäten und die Empfehlung von wirtschaftspolitischen Maßnahmen an die Regierung, sowie die Verwaltung der internationalen Reserven des Landes und den Druck und die Ausgabe von Banknoten.

Industrie und Handel

Mehrere Industriezweige haben in Vietnam an Bedeutung gewonnen, nicht zuletzt die Elektronikindustrie. Wie viele andere asiatische Länder auch, hat Vietnams Wirtschaft eine leistungsfähige Produktionsinfrastruktur im Elektronikbereich entwickelt, die 24% zum BIP des Landes beiträgt. Samsung und Panasonic sind große Arbeitgeber im Land.

Vietnam ist auch in der Lebensmittelverarbeitung aktiv, wobei diese Industrie zu 40% der Exporte des Landes beiträgt. Auch die Bauindustrie ist in Vietnam wichtig, zumal sich das Land in den letzten Jahrzehnten rasch verstädtert hat.

Der wohl wichtigste Industriezweig in Vietnam sind jedoch Dienstleistungen und Tourismus, wobei dieser Sektor fast 40% des BIP des Landes ausmacht. Vietnam ist ein zerklüftetes und natürlich schönes Land, und seine höfliche und hilfsbereite Bevölkerung macht es zu einem idealen Reiseziel insbesondere für viele Menschen aus dem Westen.

China – wichtiger Handelspartner von Vietnam

Seit der Einführung des Wirtschaftssystems von Đổi Mới im Jahr 1986 ist der Handel in Vietnam erheblich liberalisiert worden. Dies hat sich seit dem Beitritt Vietnams zur Welthandelsorganisation im Jahr 2007 beschleunigt. Das Land hatte häufig ein Handelsbilanzdefizit verzeichnet, konnte aber 2012 erstmals einen Überschuss erzielen und diesen seither kontinuierlich ausbauen.

Der Handel mit China dominiert die Vietnam Wirtschaft, zudem gilt die Mitgliedschaft im Verband Südostasiatischer Nationen als entscheidend für seine wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit. Vietnam betreibt zudem regen Handel mit anderen wichtigen Volkswirtschaften in der südostasiatischen Region, wie Thailand und Malaysia.

Während die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten historisch gesehen frostig waren – nicht zuletzt wegen des lang anhaltenden Vietnamkrieges-, hat sich die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern in letzter Zeit verbessert.

Studien und Ranglisten

Im jüngsten Global Competitiveness Report rangiert Vietnam auf Platz 67, doch stellt dies immer noch eine deutliche Verbesserung gegenüber den Vorjahren dar (2018: 77. Platz).

Im diesjährigen Doing Business 2020-Bericht der Weltbank rangiert Vietnam auf Platz 70 von 190 Volkswirtschaften. Das Land fiel um einen Punkt von seiner Position im letzten Jahr zurück.

Vietnams Punktzahl für wirtschaftliche Freiheit liegt bei 58,8, womit seine Wirtschaft im 2020-Index auf Platz 105 liegt. Vietnam liegt auf Platz 21 von 42 Ländern im asiatisch-pazifischen Raum, und sein Gesamtergebnis liegt leicht unter dem regionalen und weltweiten Durchschnitt. Es ist klar, dass das Land hier noch einiges zu tun hat.

Börsen und Kapitalmärkte

Die Ho Chi Minh City Stock Exchange ist die größte Börse in Vietnam, die im Jahr 2000 gegründet wurde. Der Vietnam Stock Index oder VN-Index ist der wichtigste Index in Vietnam und basiert auf einem kapitalisierungsgewichteten Index aller an der Ho-Chi-Minh-Börse notierten Unternehmen.

Der Aktienmarkt hat sich in den letzten Jahren recht gut entwickelt und ausländisches Kapital angezogen. Aber in dieser Hinsicht kann er noch wachsen. Zwar haben ausländische Investoren im letzten Geschäftsjahr 36 Mrd. USD in den Markt gepumpt, was einem Anstieg von fast 12% gegenüber dem Vorjahr entspricht, doch ist dies im Vergleich zu anderen entwickelteren Märkten immer noch recht moderat.

In Vietnam fehlen die Megakonzerne wie es sie in anderen asiatischen Ländern gibt. Dennoch sind vier vietnamesische Unternehmen im Forbes Global 2000 gelistet. Es handelt sich um die Vietinbank, die Vietcombank, die Bank for Investment and Development of Vietnam und der Mischkonzern Vingroup.

Anleihenmarkt

Der vietnamesische Anleihemarkt entstand in den 1990er Jahren und hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich erweitert. Im Vergleich zu vielen anderen Märkten steckt er immer noch in den Kinderschuhen, aber ausländische Investoren haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Die Regierung Vietnams treibt auch weiter Reformen und Gesetze voran, damit sich die Anleihen- und Kapitalmärkte weiter verbessern.

Staatsanleihen dominieren den vietnamesischen Anleihenmarkt, gefolgt von Unternehmensanleihen, staatsgarantierten Anleihen und dann von Kommunalanleihen. Die Laufzeiten von Staatsanleihen und -obligationen variieren zwischen weniger als 1 Jahr und 30 Jahren.

Das Kreditrating von Standard & Poor’s für Vietnam liegt bei BB mit stabilem Ausblick, und dies entspricht der Einschätzung der wichtigsten Rating-Agenturen.

Immobilienmarkt

Ausländische Käufer sind auf dem vietnamesischen Immobilienmarkt sehr verbreitet und machen 50% aller Wohnungsverkäufe aus. Investoren aus Singapur, Hongkong und Taiwan machen 75% auf dem Vermietungsmarkt aus. Wenn man bedenkt, wie schnell sich die Vietnam Wirtschaft entwickelt hat, gilt Vietnam als ein erstklassiger und dynamischer aufstrebender Immobilienmarkt mit Potenzial für weiteres Wachstum.

Die Preise sind rapide angestiegen, was bedeutet, dass die Erschwinglichkeit von Wohnraum für die einheimische Bevölkerung eine Herausforderung darstellt. Vietnam hat ein Preis-Einkommens-Verhältnis von 21,79. Das ist mehr als doppelt so hoch wie das des Vereinigten Königreichs, was zu den westlichen Nationen mit den höchsten Immobilienpreisen zählt.