Vietnam ist eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Der Wirtschaftsboom des Landes wird zum großen Teil auf die Verlagerung von der Landwirtschaft auf den Produktions- und Dienstleistungssektor zurückgeführt. Zusätzlichen Auftrieb erhielt Vietnam durch private Investitionen, einen starken Tourismus, höhere Löhne und eine zunehmende Urbanisierung. Die rasche Expansion von Industrien wie der Textil-, Elektronik- und Meeresfrüchteproduktion trieb die Exportzahlen für die Vietnam Wirtschaft in neue Höhen.

Das Land verzeichnete mit 7,1% im Jahr 2018 und 7% im Jahr 2019 ein 10-Jahres-Hoch beim BIP-Wachstum. Trotz des Covid-19-Ausbruchs im Jahr 2020 war das Land eine der wenigen Volkswirtschaften, die mit 1,6% ein positives Wachstum verzeichneten. Durch aggressive Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit konnten die Auswirkungen von Covid-19 auf die vietnamesische Wirtschaft minimiert werden. Prognosen zufolge soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes in den nächsten zwei Jahren wieder ein hohes Niveau erreichen.

Der Internationale Währungsfonds (IMF) erwartet für die Vietnam Wirtschaft ein BIP-Wachstum von 3.8% in diesem Jahr und 6.6% im Jahr 2022.


Vietnam jährliche
BIP-Wachstumsrate (in %)

Die Normalisierung der wirtschaftlichen Aktivitäten hängt dabei natürlich immer noch von der Erholung der Weltwirtschaft nach der Pandemie ab. Das Pro-Kopf-BIP Vietnams liegt nach wie vor bei etwa 3.000 USD und soll bis 2022 auf 4.000 USD ansteigen.

Im Jahr 2020 lag die Bevölkerungszahl des Landes bei etwa 97 Millionen, was Vietnam zur 15. bevölkerungsreichsten Nation der Welt macht, trotz der Zwei-Kind-Politik der Regierung. Hanoi ist die Hauptstadt Vietnams, Ho-Chi-Minh-Stadt (früher Saigon) ist die bevölkerungsreichste Stadt des Landes.

Die Arbeitslosigkeit ist sehr niedrig, trotz eines leichten Anstiegs im Jahr 2020 auf 3,3% von 2,2% im Jahr 2019. Der IWF erwartet jedoch, dass die Arbeitslosigkeit in Vietnam bis 2021 auf 2,7% und bis 2022 auf 2,4 % sinken wird.


Vietnam
Arbeitslosenquote (in %)

Währung und Zentralbank

Der Dong ist seit 1978 die offizielle Währung Vietnams. Der Dong war früher in 10 Hao unterteilt. Diese Münzen werden seit 2014 nicht mehr im Einzelhandel verwendet, obwohl einige Banken sie immer noch akzeptieren.

Die State Bank of Vietnam fungiert als Zentralbank des Landes und besitzt ca. 65% der größten börsennotierten Bank Vietnams nach Kapital, der VietinBank. Die Zentralbank ist für die Förderung der Geldwertstabilität, die Formulierung der Geldpolitik und die Überwachung der Finanzinstitute zuständig.

Die Staatsverschuldung stieg von 43,4% des BIP im Jahr 2019 auf 46,6% im Jahr 2020. Für 2021 und 2022 wird jedoch ein begrenzter Anstieg auf 47,1% bzw. 47,2% erwartet, was auf die Straffung der Geldpolitik und die Begrenzung neuer Staatsgarantien zurückzuführen ist. Die Inflation dürfte in den Jahren 2021 und 2022 bei durchschnittlich 4% liegen, nachdem sie von 2,8% im Jahr 2019 auf 3,8% im Jahr 2020 gestiegen ist.


Vietnam
Inflation (in %)

Industrie und Handel

Die Sektoren Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistungen sind die Säulen der Vietnam Wirtschaft. Sie wird von großen staatlichen Unternehmen dominiert, darunter Textilien, Kunststoffe, Lebensmittel, Möbel, Papier, Tourismus und Telekommunikation.

Der vietnamesische Dienstleistungssektor macht 41,6% des BIP des Landes aus und beschäftigt 35% der gesamten Arbeitskräfte. Die Pandemiemaßnahmen der Regierung im letzten Jahr hatten Auswirkungen auf die dominierenden Dienstleistungen Tourismus und Telekommunikation.

Der Industriesektor macht 34,5% des vietnamesischen BIP aus und beschäftigt 28% der Arbeitskräfte im Land. In letzter Zeit haben die Kohle-, Kohlenwasserstoff-, Elektrizitäts-, Zement- und Stahlindustrie des Landes geboomt, während die Ölproduktion zur drittgrößten in Südostasien aufstieg. Automobile, Elektronik und Computertechnologien sind die wertschöpfungsintensiven Industrien, die große Investitionen anziehen.

Der Agrarsektor des Landes trägt zu 14% des BIP bei und beschäftigt 36% aller Arbeitskräfte. Reis, Kaffee, Cashewnüsse, Mais, Pfeffer, Süßkartoffeln, Erdnüsse, Baumwolle, Kautschuk und Tee gehören zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Produkten Vietnams.

Gemessen an den Gesamtexporten liegt Vietnam weltweit auf Platz 20, wobei Rundfunkgeräte, Telefone, integrierte Schaltkreise, Textil- und Lederschuhe die wichtigsten Exportprodukte sind. Die USA, China, Japan, Südkorea und Deutschland sind die wichtigsten Exportpartner des Landes.

Auch bei den Importen steht das Land weltweit an 20. Stelle, und die wichtigsten Importprodukte sind integrierte Schaltkreise, Telefone, raffiniertes Erdöl, leichte gummierte Strickwaren und Halbleitergeräte. Die wichtigsten Importpartner sind China, Südkorea, Japan, Thailand und Taiwan.


Vietnam Wirtschaft: Handelsbilanz

Studien und Ranglisten

Vietnam verbesserte seinen Gesamtwert von 68,6 im Jahr 2019 auf 69,8 im „Ease of Doing Business 2020“ Ranking der Weltbank. Allerdings rutschte das Land um einen Platz von Platz 69 auf Platz 70 von imsgesamt 190 Ländern ab. Derzeit liegt die Vietnam Wirtschaft auf Platz 8 unter den Ländern in Ostasien und der Pazifikregion.

Unterdessen machte Vietnam einen großen Sprung von Platz 105 im Jahr 2020 auf Platz 90 im Jahr 2021 im Index of Economic Freedom der Heritage Foundation. Das Land verbesserte seinen Gesamtwert um 2,9 Punkte von 58,8 auf 61,7. Es wechselte auch die Kategorie von „Mostly Unfree“ zu „Moderately Free“.

Börsen und Kapitalmärkte

Die Ho Chi Minh City Stock Exchange (HOSE oder HSX) und die Hanoi-Börse (HNX) sind die beiden wichtigsten Börsen in Vietnam. Der Vietnam Stock Index oder Vn Index dient als Benchmark der HSX und basiert auf der Gesamtkapitalisierung aller an der Börse gelisteten Unternehmen.

Im Jahr 2020 beschloss die Regierung, die Vietnam Stock Exchange zu gründen, um HSX und HNX zu verwalten. Während sich beide Börsen bestimmte Funktionen teilen werden, wird die HNX für den Betrieb des Derivatemarktes, des Anleihenmarktes und des Marktes für andere Wertpapiere verantwortlich sein. Die HSX wird den gesamten Aktienhandel übernehmen.

Die HNX wird die Notierung neuer Aktien zum 1. Juli 2023 einstellen und alle bereits börsennotierten Unternehmen bis zum 31. Dezember desselben Jahres an die HSX verlegen.

Anleihenmarkt

Der vietnamesische Anleihenmarkt hat sich in den letzten Jahren aufgrund kontinuierlicher Initiativen der Regierung stetig weiterentwickelt. Während Staatsanleihen den Markt immer noch dominieren, gibt es jetzt auch kommunale Anleihen, Unternehmensanleihen und Wandelanleihen.

Laut der jüngsten Ausgabe des Asia Bond Monitor der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) wuchs der Anleihenmarkt des Landes im ersten Quartal 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 19,0%. Der Markt für Anleihen in Landeswährung ging jedoch im Vergleich zum Vorquartal leicht um 0,3% zurück.

Staatsanleihen machen 82,1% des vietnamesischen Anleihenmarktes aus, die restlichen 17,9% sind Unternehmensanleihen. Die Unternehmensanleihen haben sich im ersten Quartal 2021 mehr als verdoppelt.

Immobilienmarkt

Der Produktionsboom hat den lokalen Immobilienmarkt Vietnams stark beeinflusst. Die Industriemieten stiegen trotz der Pandemie um 9,0% im Jahr 2019 und 10,6% im Jahr 2020. Unternehmen wie Samsung, Nike und Adidas sind aufgrund der hohen Produktionskosten in China und des Handelskriegs mit den USA von dort nach Vietnam umgezogen. 

Derweil führten der Mangel an Investmentmöglichkeiten und die hohe Nachfrage nach Wohnungen zu einem Boom auf dem Wohnungsmarkt. Von 2017 bis 2020 stiegen die Wohnungspreise in Ho-Chi-Minh-Stadt um satte 90%, allein im Jahr 2020 um 12,8% – trotz der Covid-19-Krise.

Vietnams Bauministerium berichtete im Juli 2021, dass die inländischen Immobilienpreise im zweiten Quartal des Jahres aufgrund des Mangels an neuen Angeboten inmitten der Pandemie weiter gestiegen sind. Nach Angaben des Ministeriums stiegen die Immobilienpreise in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt um 2% bis 7%, während in einigen Orten ein Anstieg um 3% zu verzeichnen war.

 

Quelle der Grafiken: tradingeconomics.com