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Volkswirtschaften in Asien-Pazifik: am Anfang der Erholung

Wie der Rest der Welt sahen sich auch die Volkswirtschaften in Asien-Pazifik aufgrund der COVID-19-Pandemie erheblichen wirtschaftlichen und medizinischen Herausforderungen gegenüber. China allerdings setzt mit der “First in-first out”-Dynamik die Anzeichen für einen wirtschaftlichen Aufschwung in der Region. Die Unternehmensgewinne haben sich erholt, und der MSCI EM Asia Index hat den Großteil seiner Verluste, angeführt von chinesischen, taiwanesischen und koreanischen Aktien, wieder wettgemacht. Die mittelfristigen Aussichten bleiben positiv, unterstützt durch anhaltenden Rückenwind und einen schwachen US-Dollar.

 

COVID-19 und Wachstumsausblick

An der Gesundheitsfront haben die meisten asiatischen Volkswirtschaften den Sturm relativ gut überstanden. China, Vietnam, Singapur, Neuseeland und Taiwan waren im Allgemeinen in der Lage, die Ausbreitung des Virus einzudämmen und eine zweite Welle zu verhindern. Auf den Philippinen und in Indonesien sind die Fälle nach wie vor erhöht, während Korea mit wiederkehrenden Fällen zu kämpfen hat.

Trotz relativ positiver gesundheitlicher Ergebnisse im gesamten asiatisch-pazifischen Raum ist der wirtschaftliche Schaden erheblich. Die Region hat eine starke Hebelwirkung auf den Welthandel. Vor allem Singapur, Hongkong und Vietnam sind am stärksten exponiert. Nach Schätzungen der Weltbank wird der Handel im Jahr 2020 wahrscheinlich um 13,4% schrumpfen. Gleichzeitig haben Reisebeschränkungen zu einem rapiden Rückgang des Tourismus geführt, eines Sektors, der in jüngster Zeit 6,5% der weltweiten Waren und Dienstleistungen beisteuert.

Für die Volkswirtschaften in Asien-Pazifik, die in hohem Maße vom Tourismus abhängig sind, wie Kambodscha, die Philippinen und Thailand, hat der Mangel an Einnahmen aus dem Tourismus die Staatshaushalte stark belastet. Darüber hinaus verzeichneten die meisten Schwellen- und Entwicklungsländer (EMDE) erhebliche Kapitalabflüsse und werden voraussichtlich einen Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) verspüren.

Um den wirtschaftlichen Schock abzuschwächen, haben alle großen Volkswirtschaften im asiatisch-pazifischen Raum erhebliche monetäre und fiskalische Konjunkturmaßnahmen eingeleitet. Malaysia, Indonesien, Thailand und die Philippinen verfolgten gezielte Programme zum Kauf von Wertpapieren. Gleichzeitig lockerten die meisten Länder in der Region ihre Geldpolitik und versuchten, in ihren Volkswirtschaften für ausreichende Kredite und Liquidität zu sorgen.

Obwohl die Konjunkturmaßnahmen dazu beitrugen, den Schaden abzufedern, erwartet die Weltbank für 2020 immer noch ein regionales Wachstum von nur 0,5 Prozent, die niedrigste Rate seit 1967. Im Juni 2020 revidierte die Bank ihre Prognosen, wobei Malaysia, Thailand und die Philippinen deutlich nach unten korrigiert wurden. Bemerkenswert ist, dass China und Vietnam die einzigen großen Volkswirtschaften in der Region sind, von denen für das Jahr ein positives BIP-Wachstum erwartet wird. Die Weltbank erwartet bei ihnen eine Rückkehr zum bisherigen Wachstum im Jahr 2021.

Asien-Pazifik Wirtschaftsraum – Unsicherheiten

Einige Wirtschaftsindikatoren deuten darauf hin, dass sich die Länder im Asien-Pazifik-Raum auf dem Weg der Erholung befinden. Allen voran die Trendwende in China. Unterstützt durch die staatlichen Konjunkturprogramme und energische Maßnahmen im Gesundheitswesen wuchs das BIP im 2. Quartal um 3,2% und damit deutlich über den Erwartungen. Die Fondsgesellschaft Fidelity International ist der Ansicht, dass China auf dem Weg zu einem weiteren starken BIP-Wachstum im dritten Quartal ist, da sich die Dienstleistungsaktivitäten in den noch zurückliegenden Sektoren, Reisen und Freizeit, erholen.

Basierend auf den Zahlen von ForwardKeys lagen die Inlandsankünfte in China im August bei 86% des Niveaus von 2019, während die Buchungen bereits wieder bei 98% liegen. China Daily berichtete unter Berufung auf lokale Regierungsquellen ebenfalls über 65,8% Belegungsraten in Shanghai für die Woche vom 9. August, verglichen mit weniger als 10% im Februar.

Die geopolitischen Spannungen mit den USA dürften ungeachtet des Ausgangs der US-Wahlen im November anhalten. Es liegt jedoch weiterhin im Interesse beider Länder, das Handelsabkommen am Leben zu halten. Aber auch eine weitere Verschlechterung der Beziehungen in den Bereichen Technologie und Zugang zu Kapital ist wahrscheinlich.

Im Oktober 2019 ergab eine von AmCham China, AmCham Shanghai und PwC China durchgeführte Umfrage, dass 90% der Befragten vom Handelskrieg zwischen den USA und China betroffen waren. Darüber hinaus berichteten 43% über einen Anstieg der Betriebskosten zwischen 10% und 30%.

Die meisten Unternehmen entschieden sich dafür, ihre Lieferkette zu diversifizieren. Regionale Volkswirtschaften, die davon am meisten profitieren, sind Thailand, Malaysia und Vietnam. Der wachsende Anteil der globalen Produktion in Asien außerhalb Chinas ist einer der langfristigen Trends, die Investmentchancen in der Region bringen.

Aktienmärkte: Gewinne und Aussichten

Eine von Fidelity Anfang 2020 durchgeführte Umfrage zeigte negative Analystenstimmung gegenüber asiatischen Unternehmen (ohne China und Japan). 80% der Analysten berichteten, dass die Unternehmen in der Region für 2020 keinen Anstieg der Investitionen erwarten. Auch die Dividendenaussichten in Asien und China wurden nicht sehr positiv bewertet.

In letzter Zeit hat sich die Stimmung verbessert. Dennoch liegen die Bewertungen in ganz Asien unter den in den USA und Europa verzeichneten Niveaus. Darüber hinaus deutet eine solide Berichtssaison chinesischer Unternehmen für das zweite Quartal auf eine Erholung der zugrunde liegenden Fundamentaldaten hin. Catherine Yeung, Investment Director bei Fidelity, ist der Ansicht, dass China im Hinblick auf Covid-19 eine “First in-first out”-Dynamik erlebt. Obwohl auf breiter Front Überraschungen bei den Gewinnen zu verzeichnen waren, profitierten die Online-Unternehmen am meisten.

Dazu hat der MSCI EM Asia Index nun den Großteil seiner Verluste seit den Tiefstständen im März 2020 wieder wettgemacht. Auf Länderebene hat sich die Performance jedoch unterschiedlich entwickelt. Chinesische, taiwanesische und koreanische Aktien trugen am meisten zu den Indexrenditen bei und schufen relative Wertchancen.

MSCI EM Asia Index recovery as of 26 June 2020.
MSCI EM Asia Index Erholung, Stand 26. Juni 2020. (Quelle: Fidelity International)

Mittelfristig werden die regionalen Aktien von der wirtschaftlichen Erholung und der relativen Schwäche des US-Dollar profitieren. Die längerfristigen Wachstumstreiber bleiben intakt. Insbesondere die Neuausrichtung der chinesischen Wirtschaft auf Dienstleistungen, Technologieinvestitionen und die Entwicklung regionaler Finanzmärkte unterstützen einen positiven Ausblick für asiatisch-pazifische Aktien.