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Indien und Japan rücken gegen China näher zusammen

Indien-Japan-Zusammenarbeit: Treffen der Premierminister
Indiens Premier Narendra Modi und Japans Premier Shinzo Abe bei gemeinsamen Treffen @MEAIndia/Twitter

Indien und Japan wollen künftig enger zusammenarbeiten. Das haben der japanische Premier Shinzo Abe und der indische Premier Narendra Modi bei einem Treffen in Japan beschlossen. In einer gemeinsamen Erklärung der beiden Staats- und Regierungschefs hieß es, sie würden regelmäßige Gespräche zwischen ihren Außen- und Verteidigungsministern aufnehmen und sich verpflichten, die Zusammenarbeit in Bereichen wie Landwirtschaft und Technologie bis hin zu Investitionen in indische Bahnprojekte und Infrastrukturen auszuweiten.

Es war bereits der dritte Besuch Modis in Japan – 2014 galt dem Land auch sein erster Auslandsbesuch als Premier. In den letzten Jahren kamen schon einige Initiativen in Gang, die von einem besonderen Vertrauensverhältnis zeugen. So unternehmen die Staaten beispielsweise gemeinsamen Marineübungen mit den USA. Japan bekam zudem den Zuschlag für den Bau der Shinkansen-Zugstrecke zwischen Bombay und Ahmedabad – ein wirtschaftspolitischer Sieg für Premierminister Abe. 

Indien und Japan: Allianz gegen China

Die Beziehungen zu China sind ein wichtiges Thema für Japan und China. Tokio ist besorgt über die chinesischen Aktivitäten im Westpazifik, Delhi will den Einfluss Pekings vom Indischen Ozean fernhalten. Eine Zusammenarbeit kann den wachsenden regionalen Einfluss Chinas und die militärische Durchsetzungsfähigkeit ausgleichen. Kurz vor dem Treffen mit Modi hatte Abe erstmals China einen offiziellen Besuch abgestattet. Ergebnis: Die historischen Konkurrenten wollen von Wettbewerb auf Zusammenarbeit umschwenken.

Dennoch, für Japan bleibt die Skepsis angesichts Chinas Machtstreben. Der zunehmende wichtige See- und Handelsweg in der indisch-pazifischen Region spielt dabei eine große Rolle. Hier kann Indien als Platzhirsch im Indischen Ozean zur Absicherung der Handelsverbindung nach Europa beitragen. Als Zeichen der engeren Beziehungen werden Indien und Japan im November 2018 ihre ersten gemeinsamen militärischen Übungen mit Bodentruppen durchführen.

Auch Japans “Free and Open Indo-Pacific Strategy” wird von Modi unterstützt. Sie soll Asien und Afrika sowie den Pazifischen und Indischen Ozean miteinander verbinden. „Ein starkes Indien ist gut für Japan, und ein starkes Japan ist gut für Indien. Die Beziehung zwischen Japan und Indien ist mit dem größten Entwicklungspotenzial für bilaterale Beziehungen auf der ganzen Welt gesegnet“, so Abe im Rahmen des Treffens.

Auch US-Handelsstreit lässt Indien und Japan zusammenrücken

Auch die Politik von US-Präsident Donald Trump, die Strafzölle vor allem gegen China, aber auch gegen andere Länder – darunter Japan – vorsieht, bewirkt, dass Indien und Japan ihrer Wirtschaftsbeziehungen ausbauen. Im Rahmen der Gespräche hat Abe zugesichert, Darlehen in Höhe von rund 316 Mrd. JPY (rund 2,8 Mrd. USD) für sieben große Infrastrukturprojekte in Indien bereitzustellen. Dazu gehören die Bombay-Ahmedabad Shinkansen-Strecke, sowie Projekte in Delhi, im Nordosten und Chennai. Allerdings ist hier noch Raum nach oben: Insgesamt ist Japan zwar eines der Länder, die am stärksten in Indien investieren – mit rund 28 Mrd. USD ausländischen Direktinvestitionen von April 2000 bis Juni 2018. In der Liste der Länder, die nach Indien exportieren, ist Japan allerdings nur auf Rang 12. Anders herum liegt Japan auf Rang 18 wenn es um Importe aus Indien geht (Quelle: DGCI&S, Kolkata).

Wie zuvor mit China, hat Japan auch mit Indien ein bilaterales Währungstauschabkommen unterzeichnet. Das Abkommen in Höhe von 75 Mrd. USD solle dazu beitragen, die Devisen- und Kapitalmärkte in Indien stabiler zu machen, hieß es in der gemeinsamen Erklärung.