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Schiffbau in Asien: Anspannung und Erholung

Schiffbau Asien: Korea, Japan und China dominieren den Markt
Schiffbau Asien: Korea, Japan und China dominieren den Markt

Die Lage im Schiffbau in Asien ist angespannt. Japan hat angekündigt, Südkorea wegen Subventionen für die Schiffbauindustrie vor der WHO zu verklagen. Verkehrsminister Keiichi Ishii sagte in einer Pressekonferenz, dass die Unterstützung durch die südkoreanische Regierung „die Gefahr birgt, Korrekturen des Ungleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage zu verzögern“. Die Vorwürfe kommen nur kurz nachdem Japan heftigen Protest gegen ein Urteil des Obersten Gerichtshofes von Südkorea eingelegt hat. Es ordnete dem weltweit zweitgrößte Stahlhersteller Nippon Steel & Sumitomo Metal an südkoreanische Arbeiter zu entschädigen, die während des Zweiten Weltkriegs gezwungen waren, für das japanische Unternehmen zu arbeiten. Ein Signal, dass die historischen Spannungen der beiden ostasiatischen Nachbarn auch die Handelsarena erreicht haben.

Südkorea auf dem Weg zur Nummer 1 im Schiffbau

Japan und Südkorea gehören zu den größten Schiffbauern der Welt. Zusammen mit China standen sie 2016 für zwei Drittel der weltweiten Schiffsproduktion. Von 2.474 fertiggestellten Schiffen kamen 791 aus China, 506 aus Japan und 360 aus Südkorea (Quelle: Jahresbericht Deutsche Marine 2017). Südkoreanische Werften dürften beim Auftragsbestand 2018 wieder an die Weltspitze zurückkehren, nachdem sie in den letzten sieben Jahren hinter chinesischen Konkurrenten zurückblieben.

Laut Clarkson Research Services konnten koreanische Schiffbauer von Januar bis Oktober insgesamt 10,26 kompensierte Bruttotonnage (CGT)* bestellen. Das entspricht 45 Prozent der weltweiten Aufträge von 23,05 Millionen CGT. Die chinesischen Wettbewerber haben im Zeitraum selben Zeitraum Aufträge in Höhe von 7,1 Millionen CGT eingeholt.

Schiffbau Asien: Zeichen auf Erholung

Die globale Schiffbauindustrie steht seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers Holdings im Jahr 2008 vor einer anhaltenden Angebotsschwemme. Im Rausch, der der Krise voranging, gab es jahrelang einen enormen Bedarf an Transportkapazitäten und der Bestand an Schiffen wurde dementsprechend aufgestockt. Da Schiffe auf 30 Jahre Nutzung ausgelegt werden, verschwinden Überkapazitäten nicht schnell aus dem Markt.

Jetzt zeigt die globale Schiffbauindustrie aber Anzeichen einer Erholung. Der kumulierte Auftragseingang für den Zeitraum Januar bis Oktober ist in den letzten drei Jahren stetig gestiegen: 10,99 Millionen CGT im Jahr 2016, 20,49 Millionen CGT im Jahr 2017 und 23,05 Millionen CGT im Jahr 2018 (Quelle: Clarkson Research Services).

Schiffbau in Asien: Anspannung und Erholung
Schiffbau Asien: Anspannung und Erholung

Der Schiffbau: Eine Schlüsselindustrie

Die Schiffbauindustrie gilt als besonders anfällig für Wettbewerbsverzerrung. Das liegt daran, dass Regierungen sie als eine Schlüsselindustrie verstehen, von der viele andere Industrien und Interessen abhängen. Lieferantenseitig sind dies traditionell die Schwerindustrie und der Maschinenbau. Doch je komplexer, spezialisierter und moderner die Schiffe werden, desto mehr Branchen betrifft es, wenn die Auftragsbücher in den Werften immer dünner werden. Insbesondere werden Schiffe immer stärker von der Elektronik durchdrungen. Für die nicht allzu ferne Zukunft wird zudem an emissionsfreien Schiffen und an vollautomatisierten Schiffen ohne Crew geforscht.

Kundenseitig hängen vom Schiffbau nicht nur die Reeder ab, sondern auch der Außenhandel und last but not least die Marine. Und in jedem dieser Bereiche geht es um Arbeitsplätze und Existenzen. Darum betrachten gerade Schwellenländer den Schiffbau als eine Strickleiter ihrer industriellen Entwicklung. Auch Deutschland legte auf diese Branche im Zuge seiner Industrialisierung sowie während des Wiederaufbaus erheblichen Wert.

*Von der OECD entwickeltes Maß zum weltweiten Vergleich der Schiffsproduktion, das nicht nur das umbaute Volumen, sondern auch den Arbeitsaufwand bzw. die Wertschöpfung in Abhängigkeit vom Schiffstyp berücksichtigt.